Filmkritik und emotionale Reflektion von “Weil du mir gehörst”

Dieser Blogeintrag wird meinem Sohn gewidmet.
Ich werde Dich immer lieb haben!

Am 12.02.2020 um 20:15 Uhr läuft der Film “Weil Du mir gehörst” auf ARD. Bis zum 12.05.2020 bereits verfügbar in der ARD Mediathek.

Viele von Euch haben sich schon lange auf diese Ausstrahlung “gefreut”. Zumindest diejenigen, welche nicht bei der Filmfestaufführung dabei sein konnten. So wie auch ich. Freuen ist natürlich der falsche Ausdruck, wenn man so wie ich eine tiefe emotionale Verbindung mit dem hat, was man dort gezeigt bekommt. Ein Film welcher sich mit dem “PAS-Syndrom” – zu Deutsch – Eltern-Kind-Entfremdung – beschäftigt.
Ich hätte den Film schon einige Tage vorher in der Mediathek schauen können. Ich habe mir den ARD Ausstrahlungstermin bereits Wochen vorher vorgemerkt und mich darauf eingestellt. Nun konnte ich ihn vorher anschauen und war dann doch etwas gehemmt. Ich hatte Angst vor meinen Gefühlen und den Flashbacks die mich evtl. erwarten würden, wenn ich diesen Film anschaue. Doch gestern Abend habe ich allen Mut zusammen genommen und habe diesen Film angeschaut. Mein Kritik folgt nun dazu und mich würde interessieren, wie Ihr diesen Film empfindet. Und zwar Betroffene, sowie Unbetroffene, welche der Thematik gegenüber Interesse zeigen und den Film anschauen.

Ich werde in der nun folgenden Kritik nicht in die Details des Films gehen. Jedoch solltet Ihr meine Meinung erst lesen, wenn ihr den Film selbst angeschaut habt, damit Ihr verstehen könnt worauf ich anspiele und was ich genau meine.

Für jemanden wie mich, der genau diesen Machenschaften, welche im Film gezeigt werden, zum Opfer gefallen ist und sein Kind hat leiden sehen müssen, der wird vermutlich mit ähnlichen aufwühlenden Emotionen konfrontiert sein, welche ich auch für meine Emotionswelt nicht verhindern konnte. Und somit wird dieser Film für Menschen, welche bereits Berührungspunkte mit der Thematik hatten, vielleicht auch die ein oder andere Träne entlocken. Lässt sich gar nicht vermeiden.

Der Film zeigt meiner Meinung nach sehr authentisch und deutlich auf, wie in unserem Rechtssystem vorgegangen wird in Situationen und Konstelationen, wo ein Elternteil versucht “Alleinherscher(in)” zu sein. Vorallem zeigt es sehr klar und unverblühmt, was möglich ist in unserem Rechtssystem. Ganz besonders der Rechtsanwalt der Mutter in diesem Film, spiegelt viele Akteure dieser Profession wieder. Und auch das Zusammenspiel mit der gezeigten “Psychologin” wird wohl in der realen Praxis kein Einzelfall sein. Auch die Rolle der Oma (Mutter der Mutter) ist schauspielerisch und thematisch absolut realistisch dargestellt und wurde genauso dargestellt, wie es in der Realität ebenfalls oftmals anzutreffen ist.
Der reagierende Part der Eltern wurde meiner Meinung nach unglaublich gut gespielt und das gesamte Vorgehen der Mutter, das Reagieren des Vaters, die Ohnmacht und alles was damit zu tun hat, war eine sehr gelungene und realistische Darstellung der Realität. Mit kleinen Ausnahmen!

Es gibt zwei gravierende und bedeutende Unterschiede im Film zur realen Praxis. Und zwar der “Akteur” Jugendamt und das vorbildliche reagieren des Richters am Ende. Warum sehe ich das so? Ganz einfach weil es so in der Realität kaum passieren wird bzw. bislang passiert ist. Das eine Jugendsamtsmitarbeiterin Pro Vater ist und dann auch noch über die kompletten Einzelheiten von PAS informiert ist und dies auch kommuniziert. Und sollte es das geben, sind es wohl eher professionelle Ausnahmen. Und das zugewahnt zum entfremdeten Elternteil. Und dann der Richter am Ende. So habe ich noch von keinem Erfahrungsbereicht gehört, wo ein Richter genau so konsequent mit den Eltern ins Gericht gegangen ist und den Entfremder so ermahnt.
ABER: Eines finde ich doch gut an der Art und Weise wie der Film damit umgeht. Sie zeigen dem Publikum und vorallem den Professionen auf, wie sie es besser machen können und müssen.

Fazit: Ein gelungendes und durchaus hoch emotionales Filmerlebnis, welches Professionen von Jugendamt und RichterInnen wach rütteln sollte und zugleich aufzeigt, was nötig sein muss um das Leiden der Kinder und entfremdeten Elternteile zu lindern oder gar zu verhindern.

Denn eines bleibt und zeigt die letzte Szene im Film: Am allermeisten Leiden unsere Kinder, welche ein psychischen Trauma davon tragen werden, der oftmals irreperabel bleibt. Und dies darf nicht mehr so weiter gehen.

Heute keine Paraole oder Floskel für die ich gerne mal stehe. Heute gibt es nur eines. Einen Apell von mir, mit der Bitte darüber nachzudenken, was ihr unseren Kindern antut, wenn so ein System weiter in diesen Extremen handelt. Verantwortlich sind wir alle dafür, dass sich was ändert!

In diesem Sinne. Alles Gute und viel Kraft beim Nachdenken und reflektieren nach dem Film.

 

Liebe Grüße
Euer Kai

Kai
Kai

Über Kai

- stolzer Vater - Familienpfleger und ausgebildet in Sozialmanagement - Vollzeit beschäftigt und Student der sozialen Arbeit - Fussballschiedsrichter