Erfahrungen mit der Perspektive einer Mutter… Perspektivenwechsel der besonderen Art

Liebe Leser*innen von vaeterbloggen.de,

liebe Eltern,

lange liegt mein letzter Blogeintrag zurück. Doch die Erfahrungen die ich seit einingen Monaten mache bewegen mich dazu, nach der Entschleunigung meines Lebens, mal wieder etwas hier mit Euch zu teilen.

Viele Elternteile, oft Vätern wie mir, geht es ja nach der Trennung ähnlich. Konflikte mit dem/der Ex die bis hin zu reduzierten Umgang oder sogar komplettem Kontaktabbruch führen. Ein Grund ist offensitlich immer, dass ein Elternteil den Umgang nicht positiv verstärkt und somit (aus viellerei Gründen) Umgang teilweise reduziert oder oftmals gänzlich verhindert wird. Dies ist weder zu entschuldigen noch kann es Erklärungen dafür geben, die ein solches Ergebnis rechtfertigen.

Doch jüngste Erfahrungen in meinem Privatleben bestärken mich nur darin, Generallverdachte gegen Mütter, welche ja nur aus egoistischen Gründen Umgang verhindern, nicht zuzulassen und jede Konstelation als das zu sehen was es immer ist. Und zwar: Einen Einzelfall. Mal die juristischen Feinheiten ausser Acht gelassen, gibt es immer individuelle Gründe wieso diese Situationen in Extremen enden. Ich möchte nun einfach mal ein mögliches Szenario schildern und dann meine These dazu äussern. Natürlich bleibt es am Ende eine nicht wissenschaftlich belegte These, jedoch ist eine wissenschaftliche Aufklärung nicht Bestandteil dieses Artikels.

Also kommen wir nun mal zu meiner Erfahrung. Ich lebe seit einiger Zeit nun in einer Patchworkkonstelation, in dem ich mit meiner neuen Lebensgefährtin und ihrem Sohn zusammenwohne. Das erste mal seitdem ich Vater bin und selbst mit all den Tücken und leider auch negativen Dingen einer Vaterschaft (nach Trennung) konfrontriert bin, erlebe ich eine Stellung in diesem Patchworkkonstrukt, welche bislang immer meine Partnerinnen inne hatten. Und zwar bin ich der “Bonusvater” im Patchwork. Ich blicke auf die Situationen die sich zwischen den Eltern ergeben nun eher unemotional und meist sehr sachlich. Doch ich erkenne auch die emotionalen Gefühlslagen einer Mutter und die praktischen und erzieherischen Feinheiten, welche sich eine Mama in einem solchen Setting stellen muss. Vorweg, ich bin stolz auf meine Partnerin, wie kindorientiert sie es angeht und trotz aller Widerstände versucht Umgang zum Papa zu fördern und positiv verstärkend zu argumentieren und zu reden.
Doch objektiv betrachtet muss ich jedoch zugeben, gibt es einfach vieles, was leider auch negatives oder sagen wir mal nicht “kindgerechtes” aufs Kind zukommt, womit die Mama dann umgehen muss. Ja und aus Perspektive eines Vaters, welcher hier auch eine ganz klare Linie fährt, muss ich zugeben, dass nicht jeder Vater ein “Heiliger” ist und es durchaus auch Gründe gibt, warum man einem Vater mal gehörig den Kopf waschen sollte. Sei es drum, das gibt es jedoch auf beiden Seiten der Medalie, also nehme ich hier die Mamas nicht generell raus. Ganz im Gegenteil. Doch in meinem Fall von dem ich berichte, ist es mal nicht die Mama sondern eben der Papa. Und trotzdem bleibe ich standhaft meiner Meinung gegenüber “Allen Kindern beide Eltern”. Doch warum bleibe ich so generalistisch in meiner Aussage, obwohl ich gerade die Erfahrung mache, dass Männer eben auch Beratungsbedarf haben? Richtig, weil den Kindern es reichlich wenig interessiert, ob Mama jetzt denkt, dass Papa vielleicht nicht so gut erzieht oder vielleicht nicht so gut kocht oder die Bude schmutzig ist. Nein Kinder wollen beide Eltern lieb haben dürfen und sie wollen und müssen ihre eigene Erfahrung mit dem jeweiligen Elternteil machen. Und das darf ihnen niemand verwehren. Weder Mama noch Papa. (Ausnahmen sind hier nur begründete Gefahren für das leibliche und seelische Wohl des Kindes)

Die Toleranzgrenzen von Elternteilen darüber hinwegzusehen, wenn etwas nicht nach ihren Vorstellungen läuft sind bekanntlich sehr unterschiedlich. Von sehr tollerant bis absolut intollerant. Nicht immer ist eine narzistische egoistische Persönlichkeit dafür verantwortlich, dass Elternteile Umgang eingrenzen wollen.  Doch was sollen Eltern tun, damit sie “bessere” Verhältnisse fürs Kind erreichen und ihre Vorstellung von “Kindeswohl” näher zu kommen?

Hierzu habe ich eine klare Haltumg. Ein Umgangsentzug oder eine Umgangsreduzierung kann und darf niemals Mittel zum Zweck sein. Doch das hilft jetzt Hilfesuchenden nicht wirklich weiter. Deshalb kann ich aus eigener Erfahrung nur empfehlen. Bleibt stark und am Ball. Es gibt keine einfachen Lösungen. Kindesentzug wäre nunmal die einfachste aller Lösungen. Ihr habt Ruhe doch das Kind erhält irreperable Schäden in seiner Entwicklung bis hin zu Bindungsstörungen. Ich erspare Euch nun die Bandbreite der psyschischen Schäden, die ein Kind durch den Wegfall eines Elternteiles erleiden kann, vorallem wenn er durch das andere Elternteil verursacht wurde.

Also einfach wird es nicht, wenn nicht gerade beide Elternteile empatische Menschen sind die in ihrem Handeln stets kindzentriert handeln und denken. Doch wenn dem so wäre, würde vermutlich niemand diesen Artikel lesen und sich vielleicht sogar selbst Gedanken darüber machen, wie man solche Situationen angehen könnte.
Doch weiter mit möglichen Handlungsalternativen. Habt Mut Dinge anzusprechen. Versetzt Euch soweit es geht in Euer gegenüber und betrachtet die Situation einmal aus der Gefühlswelt des anderen. Was könnte da los sein. Und versucht dann im Sinne des Kindes zu agieren und Besserungen herbeizuführen.
Gestaltet Eure Elternebene als das was es ist. Und zwar eine sachliche Elternebene. Die Beziehung ist gescheitert. Sonst wärt ihr noch ein liebendes Elternpaar. Kommunikation nur noch sachlich. Kann die Gegenseite es nicht? Dann tut es einfach selbst und geht nicht auf Anspielungen, unsachliche Kritik oder Beleidigungen ein. Seid ihr im Patchwork unterwegs? Hat der/die Ex einen neuen Lebenspartner/in? Super bindet ihn oder sie mit ein. Wir haben das zum Beispiel durch eine gemeinsame Chatgruppe gelöst. Jegliche Kommunikation übers Kind findet ausschließlich nur noch darüber statt. Das verhindert die persönliche Ebene zwischen den Eltern und schafft eine kinddienliche Kommunikation. Somit wird unnötige Kommunikation zwischen Euch verhindert bzw. aufs nötige reduziert.
Akzeptiert die Tatsache, dass der Ex noch sehr viele Jahre Bestandteil Eures Lebens sein wird. Denn er/sie ist Mama oder Papa Eures bzw. Eurer Kinder. Wie oft habe ich schon gelesen oder gehört “Endlich ist der A*** aus meinem Leben verschwunden…” “Endlich kann das Kind zur Ruhe kommen…”
Ehrlich das ist eine Haltung und eine Denkweise, die zwangsläufig zu oben beschriebenen Schäden führt. Damit verschaffen sich Elternteile nur selbst Ruhe. Doch wer einmal akzeptiert hat, dass Mama oder Papa sein niemals Ruhe bedeutet, sondern Arbeit an sich selbst und am Dasein als Elternteil, dem wird es viel leichter fallen das Konstrukt Patchwork und Elternebene zu meistern. Eure Kinder werden es Euch danken. Und vielleicht werden Sie es Euch auch einmal sagen wenn sie erwachsen sind. Doch es ist einfach so wichtig, dass man diese Herausforderung annimmt.

Doch was tun wenn ihr an Eure Grenzen kommt? Geht darüber hinaus! Geht neue Wege. Sucht Euch Hilfe! Und zwar Hilfe in Form von Menschen, die vielleicht selbst in einer solchen Situation sind. Erweitert Eure Perspektiven. Konventionelle Erziehungsberatungen helfen hier meiner Meinung nach nur sehr wenig. Unser System ist leider noch nicht modern genug dafür. Und das ist auch das, was ich zu Bedenken geben möchte. Ja oftmals haben meine Artikel eben auch einen mahnenden Teil der sich an unsere Gesellschaft richtet. Und in diesem Fall muss ich die Beratungslandschaft, wenn es um Trennung und Elternschaft geht kritisieren. Die Beratungslandschaft fördert immer noch eher den Konflikt als dass sie kindzentriert agiert und beratet. In einer Zeit in der soviele Eltern später getrennte Wege gehen in ihrer Elternschaft, muss die Gesellschaft endlich umdenken. Beratungsstellen schaffen, die eben auch in Patchworkkonstellationen geschult sind. Die empatisch sein können für alle Personen. Für Elternteile, für die neuen Partner*innen und vorallem und absolut primär für die wahren Bedürfnisse der Kinder. Erst dann kann ich empfehlen Beratungsstellen aufzusuchen.
Aber ich mache Euch auch gerne Hoffnung, es gibt bestimmt Ausnahmen da draußen. Und private bzw. ehrenamtlich geführte Beratungen können auch eine Hilfe sein. Jedoch sind diese selten und genaustens und krititisch zu begutachten. Auch ein Elterncoaching kann hilfreich sein, wenn der Berater weiß wovon er redet.

Ja abschließend möchte ich nochmal klar machen, dass diese Erfahrung an der Seite meiner Partnerin nochmal dafür gesorgt hat, dass ich aus verschiedenen Perspektiven die Situationen betrachten muss. Ausserdem hat es mich sehr überrascht, wie konstuktiv und kindzentriert ich bleiben kann, obwohl sich meine Partnerin traurig in meine Arme fallen lässt, weil sie gerade mit ihrem Latein am Ende ist. Denn aus eigener Erfahrung und aus eigenen Fehlern weiß ich, was Kinderseelen zerstören kann und was das wichtigste ist für Kinder in Trennungssituationen. Es mag sich etwas danach anhören, als hätte ich die Weisheit mit Löffen gefressen… und ja ich bin überzeugt davon, dass meine Erfahrungen mich in vielen Dingen haben reifen lassen. Und ich reflektiere mich da wirklich ständig. Auch ich habe meine Fehler gemacht und hätte ich das Wissen von heute gehabt, dann hätte ich vielleicht meinem eigenen Sohn das ein oder andere Leid ersparen können. Jedoch gehören immer zwei dazu und ich weiss auch, wenn ein Elternteil blockiert, dann ist leider viel Hopfen und Malz verloren.

Doch beenden wir diesen Blogeintrag positiv. Es ist Weihnachtszeit und man sagt ja nicht ohne Grund eine “besinnliche” Zeit. Bei all dem Streß da draußen und Termindruck (den ihr euch übrigens alle selbst macht) sollten wir  inne halten und über uns und unser Leben nachdenken. Das wirklich Wichtige in den Mittelpunkt rücken und einfach mal das Leben spüren und genießen. Und das Wichtigste sind in der Regel unsere Kinder und Liebsten. Also denkt an sie und habt Euch Lieb.

In diesem Sinne eine wundervolle Weihnachtszeit und guten Rutsch ins Jahr 2020.

Ich hab Dich Lieb mein Sohn!

Euer Kai

Kai
Kai

Über Kai

- stolzer Vater - Familienpfleger und ausgebildet in Sozialmanagement - Vollzeit beschäftigt und Student der sozialen Arbeit - Fussballschiedsrichter