Der Corona Kinderbonus und der Unterhalt fürs Kind

Liebe Leser,

Corona hat uns im Alltag völlig eingespannt und die Pandemieauswirkungen, egal welcher Meinung wir letztlich vertreten, begleiten uns jeden Tag. Die Politik hat nun den “Kinderbonus” beschlossen. Was der Kinderbonus ist… kurz gesagt soll es eine Entlastung für Familien mit Kindern bieten.

Kurz: 300 Euro für jedes Kind für das auch im September 2020 Kindergeldanspruch besteht. Ausgezahlt wird in 2 Raten und zwar im September und im Oktober 2020. Also 150 Euro pro Rate. Die Raten werden mit dem Kindergeld ausgezahlt.

Doch was bedeutet das für den Alltag vieler Trennungseltern? Bzw. was bedeutet das für Unterhaltspflichtige (um es mal im traurigen Politdeutsch zu sagen)?
Das Thema hat natürlich direkt die Gemüter von eben jener Personengruppe beschäftigt, da der beschlossene Kinderbonus mit dem Kindergeld ausbezahlt wird und Menschen die Unterhalt Barunterhalt bezahlen keinen Zugriff aufs Kindergeld haben. Auch hier muss leider dezent darauf aufmerksam gemacht werden, dass immer noch der Bärenanteil von Unterhaltszahlern Väter sind und somit die Mütter in der Regel auch Zugriff auf das Kindergeld haben.

Nun da der Unterhalt ja auch gekoppelt ist am Kindergeld (in der Gesamtberechnung), hat sich der BMFSFJ (Also das Familienministerium, zumindest  will es das sein), eine zumindest für mich klare und faire Lösung für alle Beteiligte ausgedacht. Und zwar sollen Beide Parteien, egal ob Kindergeldempfänger/in oder Unterhaltzahler/in, gleichermaßen vom Bonus profitieren.

In der Praxis macht man sich ja nun Gedanken, wie das ablaufen könnte. Damit Streitereien vermieden werden, hat sich die Regierung finde ich durchaus eine faire Lösung überlegt. Und zwar soll der Barunterhaltspflichtige einfach die Hälfte des Kinderbonuses vom Barunterhalt abziehen.

Hierzu das originale Zitat:
“Bei getrennten Eltern erhält der alleinerziehende Elternteil den Kinderbonus mit dem Kindergeld ausgezahlt. Der Barunterhaltspflichtige kann dann über das Unterhaltsrecht die Hälfte der Kinderbonuszahlungen von seiner Zahlung abziehen, wenn er Mindestunterhalt oder mehr leistet oder das Kind hälftig betreut. So profitieren beide Eltern vom Kinderbonus und Ungerechtigkeiten werden vermieden.“(BMFSFJ: https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/alle-meldungen/kabinett-beschliesst-kinderbonus-fuer-jedes-kind/156556)

Würde bedeuten, dass Barunterhaltspflichtige den Unterhalt für September und Oktober 2020 um jeweils 75 Euro kürzen darf.

Ich sehe hier durchaus Potential für Streitigkeiten, da vielleicht einige Unterhaltsempfänger/innen nicht informiert sind oder sich darüber nicht im klaren sind, dass der Bonus für beide Seiten ist. Vielleicht kommen auch Elternteile auf die Idee, den “Anspruch” gleich zu setzen mit dem Betreuungsanteil am Kind. Hier werden Elternteile, welche zuvor im Streit den anderen Elternteil (egal aus welchem Grund auch immer) von der Betreuung ausgegrenzt haben vielleicht am lautesten aufschreien und das Geld für sich behalten wollen, da der Unterhaltspflichtige ja keinen Kontakt zum Kind bzw. den Kindern hat. Aber das nur mal in meine Glaskugel reininterpretiert.

Fakt ist, die Bundesregierung hat hier einmal an alle Parteien und einer durchaus einfachen Lösung gedacht, auch wenn die kritische Betrachtung durchaus Grund zur Kritik lässt. Denn Unterhaltspflichtige, die nicht informiert sind bzw. informiert werden, oder vielleicht sogar Angst vor Konsequenzen haben, was ja leider viele Unterhaltspflichtige, in der Regel die Väter, betrifft, die profitieren am Ende vielleicht gar nicht davon.

Mit dieser Regelung wollte man den Verwaltungsaufwand vermutlich klein halten und die Zahlungen schnell auf dem Weg bringen. Ein Fader Beigeschmack bleibt jedoch, da man als Unterhaltspflichtiger mal wieder tätig werden muss, um sein Recht “durchzusetzen”.

Wollen wir hoffen, dass die Gerichte und die Politik zu ihrem Wort stehen und zumindestens Streitversuche der Unterhaltsempfänger/innen im Keim ersticken werden.

Wer meditativ mit der Angelegenheit umgehen möchte, kann dem anderen Elternteil vor Kürzung des Unterhaltes eine freundliche Nachricht zukommen lassen, in dem die Kürzung aufgrund der rechtlichen Sachlage, angekündigt wird.

Wenn wir dem BMFSFJ glauben schenken wollen, wird es für die Kürzungen, zumindest juristischer Natur, keine Konsequenzen geben. Einen evtentuellen “Spruch” des /der Barunterhaltsempfänger/in müssen sich viele Zahler dann vermutlich doch geben.

Offizielle Stellungnahme des BMFSFJ ist hier zu finden:

https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/alle-meldungen/kabinett-beschliesst-kinderbonus-fuer-jedes-kind/156556

Dieser Artikel ist natürlich keine Rechtsberatung oder Animation tätig zu werden, soll lediglich informieren und zum eigenen Denken anregen. Bitte informiert Euch alle gründlich selbst, ich kann nur den Anstoß geben.

Wie seht Ihr die Thematik? Werdet ihr den Unterhalt kürzen? Oder verzichtet Ihr vielleicht aus irgendwelchen Gründen auf das Geld? Angst vor Konsequenzen?

TEILT ES UNS BITTE MIT!

Liebste Grüße

Kai

Kai
Kai

Über Kai

- stolzer Vater - Familienpfleger und ausgebildet in Sozialmanagement - Vollzeit beschäftigt und Student der sozialen Arbeit - Fussballschiedsrichter