Emotionen, Gefühle und Gedanken zur Demo “Allen Kindern beide Eltern” 2018 in Köln

Zwei Tage ist die Demo in Köln nun her. Ein Tag mit sehr vielen gemischten Gefühlen und sehr vielen Eindrücken. Mir fällt es sehr schwer alles was ich erlebt habe genaustens zu erzählen oder innerhalb so kurzer Zeit zu reflektieren. Doch einige Dinge sind mir schon sehr klar und bewusst geworden und darum soll es in dieser Zusammenfassung meiner ganz persönlichen Erfahrung heute gehen.

Veranstaltet wurde die Demo vom Väteraufbruch für Kinder Kreisverein Köln e.V. und durch das Programm geführt hat uns Jörn Beckesch. Er hat seine Aufgabe mit absolutem Herzblut gemacht. Man hat gespürt, dass er 100 Prozent hinter der Demo stand und persönlich ebenfalls das Schicksal vieler entsorgter und entrechteter Elternteile teilt. Man fühlte sich, zumindest kann ich da für mich sprechen, mit ihm verbunden. Danke für diese gelungende Demo Jörn. Ich konnte Jörn übrigens schon im Vorfeld über Skype kennenlernen, wo wir gemeinsam ein Interview führten. Jörn freut sich sicher über weitere Interessenten für das Radio im Raum Köln. ( Getrennt erziehend – Papa und Mama erzählen. )

Mir ist durchaus bewusst, dass eine Demo Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit wecken soll und auch provozieren soll. Jedoch muss ich sagen, war ich nicht mit jedem Redner(in), welche zu Wort kamen, so richtig zu 100 Prozent warm. Es gab ausgezeichnete Beiträge. Im Meinungsmikrofon unglaubliche emotionale Momente, jedoch haben mich nicht alle Beiträge überzeugt. Einge eben nur teilweise.

Informationen und Links mit Bildern zur Demo könnt Ihr auf Facebook beim VafK Köln finden oder auf der Internetseite www.vafk-koeln.de/demo. 

Ich gebe zu, ich kannte persönlich kaum jemanden dort und für mich war es auch einmal wichtig den Menschen, welche ich bei Facebook und Co. begegnete einmal persönlich zu sehen, zu sprechen und vielleicht auch kennenzulernen. Schon bald merkte ich, wie sich viele Betroffene und Mitwirkende schon länger kennen und teilweise über Jahrzente ein gemeinsames Ziel verfolgen. Somit war für mich natürlich der Einstieg etwas holprig und meine Mitwirkung war erstmal eher passiv, da mich auch so keiner großartig kannte. Mir war aber in erster Linie wichtig ein paar sehr aktive Vereinsmitglieder bzw. Mitwirkende persönlich zu erleben.

Um ca. 15:30 Uhr, sofern ich mich recht erinnere, kamen wir dem Programmpunkt “Demomarsch” näher. Wir stellten uns auf die Domtreppe um Fotos zu machen und Jörn hat uns auf den eigentlichen “Demomarsch” vorbereitet und eingestimmt.

Plötzlich, obwohl ich mir fest vorgenommen hatte die erste Demo meines Lebens mehr passiv und ruhig auf mich wirken zu lassen, habe ich mich schon bald an der “Front” wiedergefunden. Was ist passiert? Ein mir namentlich unbekannter Mensch (oder ich war so überwältigt, dass ich mir nicht gemerkt hab wer es war) , drückte mir ein Schild in die Hand mit der Bitte dieses beim Marsch zu tragen. Mit dieser Aufschrift konnte ich mich nicht ganz identifizieren und ich glaube, dass er dies auch irgendwie mitbekommen hatte. Schon bald hatte ich ein anderes Schild in der Hand mit der Aufschrift “Wechselmodell für Deutschland. Ich bin Vater kein Besucher”. Das hat meine Überzeugung getroffen und schwupps stand ich direkt am Anfang des Zuges. Vor mir nur das Banner vom VafK. Wow. An meiner Seite meine Partnerin, auf die ich absolut stolz bin, dass sie als Frau die ganze Sache unterstützt, zogen wir also los. Und ohne nachzudenken, ohne meinen vorherigen “Plänen” treu zu bleiben, habe ich die wichtigen Parolen des Umzuges mitgerufen. Meist fest an der Hand meine Freundin, die dies ebenfalls tat. Ich habe mich seit langem einer Überzeugung lautstark gestellt und für das eingestanden, was mir für unsere Kinder wichtg ist. Es war befreiend, es in die Welt hinaus zu brüllen. Dabei habe ich meine Umwelt stets beobachtet und verschiedenste Emotionen wahrnehmen können. Von Verachtung über Verständnisvolle Blicke, bis hin zur Solidarität, war alles dabei.

Nachdem der Umzug durch die Kölner Innenstadt vorbei war, sammelten wir uns noch auf dem Rudolphplatz. Dort zog sich der weitere Verlauf für meinen Geschmack etwas zu sehr in die Länge, jedoch kamen noch ein paar Redner dran und Jörn hat einen guten Abschluss finden können.

Leider wirkte der Abschluss für mich etwas stimmungsdämpfend, als Gerd Riedmeier, Sprecher der Interessengemeinschaft Jungen, Männer und Väter (IG-JMV), sich zu Wort meldete. Er war der Abschlussredner und hat uns, ich bringe es mal auf den Punkt, klar gemacht, was wir von unserer Politik in Sachen Gleichberechtigung zwischen Eltern zu erwarten haben. Und zwar? Genau NICHTS! Er hat anschaulich und auf den Punkt gebracht hergeleitet, warum er diese Meinung vertritt und es war sehr traurig, dass Trennungseltern, sofern sie Interessen vertreten die nicht ausschließlich weiblich sind, kein Gehör bei der Bundesregierung finden. Ja ich muss leider den Seitenhieb Richtung “Mütterlobby” ausführen. Denn diese wird immer wieder gerne gehört. Das hat Gerd Riedmeier auch plausibel aufzeigen können. Bitte versteht mich nicht falsch, ich bin für ein Miteinander mit unseren größten Kritikern, jedoch werden dort keine Interessen von Kindern verfolgt, sondern lediglich die eigenen. Und zwar der der Aleinerziehenden, größtenteils weiblichen, Elternteile. Ausnahmen bestätigen die Regel. Jedoch sind sie systembedigt und meiner Meinung nach eher Koteleralschäden und werden hingenommen, um weiterhin das nicht mehr zeitgemäße Konzept des Residenzmodells aufrechtzuerhalten. Ich betone ausdrücklich, ich bin beführvorter des Wechselmodells und missbillige auch Männer, die das System für “sich” ausnutzen. Von Entfremder und Entfremderinnen mal ganz zu schweigen.

So ist sie nun vorbei, die in meinen Augen noch viel zu schwach besuchte, Demo 2018. Was bleibt sind neue Menschen die ich kennenlernen konnte, wenn auch nur kurz und oberflächlich. Doch ich konnte endlich Gesichter sehen zu den Namen. Es liegt glaube ich noch sehr viel Arbeit vor uns allen und ich befürchte, dass noch viele Kinder weiter leiden müssen und noch einiges an Kindern nachkommt, welche irgendwann leiden müssen. Sie werden leiden müssen, weil eine Gesellschaft sich entschieden hat Ungerechtigkeit und egoistische Gründe voranzustellen, um sich auf verschiedensten Ebenen zu bevorteilen. Ohne Rücksicht auf das, was immer wieder als Mahnung vorangetragen wird, dem Kindeswohl!

Was werde ich in Zukunft verändern oder tun mit dieser Erkenntnis? Ich werde versuchen das Ganze auf der wissenschaftlichen Ebene anzugehen. Mein momentanes Studium bieten sicher eine gute Platform und gerade mein Berufszweig muss für die wahren Bedürfnisse unserer Kinder sensibilisiert werden. Sicher werde ich nicht immer auf Sympatisanten stoßen, aber vielleicht schaffe ich es einmal eine gute Vorschungsarbeit oder ähnliches voranzutreiben.

Ich wünsche im Zuge der Demo 2018 nochmal allen viel Kraft und Mut fürs weitermachen. Wer weiß, vielleicht ändert sich auch schon eher etwas, als wir alle denken. Lasst uns positiv bleiben.

Liebe und solidarische Grüße

 

Kai

 

 

Kai

- stolzer Vater - Familienpfleger und ausgebildet in Sozialmanagement - Vollzeit beschäftigt und Student der sozialen Arbeit - Fussballschiedsrichter

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Alexander Brosien

ich musste fast 2 Jahre darum kämpfen, statt Zahlvater wieder erziehender Papa zu sein. Meine Kinder leben nun seit rund 4 1/2 Jahren eine Woche bei Papa, eine bei Mama. Die Eltern können sich nicht im geringsten ausstehen, den Kindern geht es jedoch gut. Sie haben beide Eltern.
Sämtliche Vorurteile, ein Wechselmodell können nur dann funktionieren, wenn sich die Eltern verstehen, bzw. miteinander sprechen (wir schreiben ausschließlich!), sind völliger Quatsch.
Ein Blick nach Norden zeigt uns, die Skandinavier sind uns Deutschen um Jahrtausende voraus. Vielleicht auch, weil sie emanzipiert und nicht feminisiert sind.

Horst Schmeil
Gast
Horst Schmeil

Hallo.Kai, zwar war ich nicht auf der Demo, da ich die 700 km zu fahren mir derzeit finaziell nicht leisten konnte, aber mit dem Herzen war ich schon dabei, doch das sieht man leider in der Öffentlichkeit nicht. Deine Darstellung der Demo selbst – nun, diese Demo hat wie Du beschrieben hast – viel von den bisherigen, die ich z.T. vor vielen Jahren selbst mitorganisiert habe. Viele der Eindrücke, die Du geschildert hast, treffen auch immer wieder bei anderen Teilnehmern auf Demos ein, gleichgültig, ob sie neu dabei sind und in eine besondere Welt eintauchen oder aber diese Demos aufgrund… weiterlesen »