Der Papa “darf” am ersten Weihnachtstag “dazu kommen”… und das Kind jederzeit gehen…

das war das eher nüchternde Ergebnis am Familiengericht in Krefeld. Wie kam es zu dieser Entscheidung und was ist überhaupt passiert?

Vorausgegangen ist der Antrag auf die alleinige Sorge, welche auf die Mutter unseres Kindes übertragen werden sollte. Ich kann leider nur mutmaßen, warum von Mamaseite der Bedarf besteht die alleinige Sorge für sich zu beanspruchen, jedoch scheint ein Mitwirken vom Papa für die Belangee unseres Sohnes eher unerwünscht zu sein. Anders kann ich mir diesen Schritt nicht erklären. Noch viel unerklärlischer ist es, dass ganz zufällig in diesem Zeitraum unser Sohn keinen Umgang mehr mit mir möchte. Umgang welcher sehr viele Jahre gut funktionierte. Umgang welchen ich vor etwas über 2 Jahren einklagen musste, weil schonmal ähnliches passierte. Ganz rein zufällig auch zu einer Zeit, als ein Antrag bei Gericht einging. Damals ging es um Unterhalt. Jetzt um die elteriche Sorge.
Nur diesmal ist es schlimmer. Damals waren nur wenige Umgangszeiten davon betroffen, da damals recht schnell von Verfahrensbeteiligten gehandelt wurde. Beim damaligen Umgangsurteil wurde so ziemlich die Regelung festgeschrieben, welche schon Jahrelang bestand hatte. Ich habe somit gedacht, dass das Thema “Umgang” abgeschlossen ist und ich mich darauf verlassen könnte, dass der Umgang zuverlässig stattfinden kann. Weit gefehlt. Das zeigt mir die momentane Situation sehr deutlich. Denn mittlerweile sind es bereits knapp 4 Monate ohne Umgang. Also beantragte ich zum laufenden Sorgerechtsverfahren noch ein Vermittlungsverfahren nach §165 FamG.

Ein Kind, welches einem Loyalitätskonflikt gnadenlos ausgesetzt ist, verweigert (vermutlich aus Selbstschutz) den Umgang vollständig. Während des Verfahrens äusserte sich mein Sohn durchaus positiv. Denn er äusserte: (Sinnzitat:…wenn der Papa nicht mehr schlecht über die Mama spricht und der Papa akzeptiert das ich bei der Mama wohne, dann möchte ich auch wieder zu Papa…) Aus dem Löyalitätskonflikt heraus absolut nachvollziehbar, auch wenn es eigentlich keinen Anlass gab, warum mein Sohn dies äussern hätte müssen. Mir stellte sich jedoch die Frage, welche Ängste oder Vorstellungen, was beim Umgang so passiert, auf das Kind übertragen wurden. Für andere Szenarien fehlt mir die Vorstellungskraft.
Wie Verfahren so laufen, gab es einige Schriftsätze und schnell wurde deutlich, dass Verfahrensbeistand und Jugendamt einer Meinung sind. Sorgerecht muss nicht verändert werden, jedoch muss an der Kommunikation auf Elternebene gearbeitet werden.
Zuversichtlich mit diesen Schirftsätzen im Gepäck, fieberte ich dem angebraumten Verhandlungstermin, welcher zwischendurch noch verschoben wurde, entgegen. Ich vermisste unseren Sohn und ersehnte für uns beide einen Ausweg aus diesem Konflikt, welcher für eine Kinderseele unerträglich sein muss. Kurz vor der Verhandlung kam dann eine ernüchternde Nachricht. Unser Sohn äusserte mittlerweile beim Jugendamt, welches gemeinsam mit dem Verfahrensbeistand ein weiteres Gespräch anberaumt hat, dass er absolut keinen Kontakt mehr zum Vater möchte. Ihm würde schlecht werden, beim Gedanken daran jemals wieder zu Papa zu müssen. (Auch hier sinngemäß wieder gegeben)

Das ist wie ein Faustschlag ins Gesicht. Aber auch hier wieder seltsam, dass der Sinneswandel dann eintraf, als im Vorfeld Schriftsätze verfasst wurden, die dem Antrag der Mama nicht in die Karten gespielt haben. Muss ich meinen Vorstellungshorizont an dieser Stelle erweitern oder liegt hier einfach ein großes Missverständnis zu Grunde?

Der Karren ist nun mal festgefahren und nun galt es diesen wieder in Bewegung zu bringen. Doch wie bloss? Die Professionen schienen etwas ratlos. Doch positiv zu erwähnen ist, dass der Richter hier klare Worte hat verlauten lassen. Kein Umgang ist keine Lösung. Das Kind hat ein Recht auf Umgang. Er betonte dies des Öfteren und wirkte unbeindruckt auf Versuche den nicht stattfindenenen Umgang zeitlich auszuweiten. Mit Blick auf Weihnachten gerichtet gab sich der Richter mühe eine kurzfristige Lösung herauszuarbeiten. Ich muss zugeben, ich war ziemlich beim Richter was Ansichten und Vorschläge anging. Jedoch sah das der Verfahensbeistand meines Sohnes etwas differenzierter. Hier wollte man eine etwas “weichere” Methode fahren, damit das Kind nicht zu sehr unter Druck gesetzt wird. Ich hätte mir an dieser Stelle mehr Deutlichkeit und etwas mehr “Druck” seitens des Richters gewünscht, der meiner Meinung nach Gesetz und Wohl des Kindes durchaus im Blick hatte.

Ergebnis: Sorgerecht = Antrag wurde zurückgezogen bei Aufhebung der Kosten. (Unfassbar aber ja ich muss die Kosten hälftig tragen obwohl der Antrag unnötig gestellt wurde. Mein Einwand wurde ignoriert. Mama bekommt PKH.)

Viel wichtiger war dem Richter der Umgang. Und dies zurecht. Er machte deutlich, dass der “Normalzustand” wieder hergestellt werden muss. Doch wie bekommen wir Papa und Sohn an Weihnachten zusammen?

Gerne teile ich meine Erfahrung mit Euch und wünsche mir Eure Meinung dazu. Denn jetzt wird es interesannt.

“Mama soll den Sohn gegen Mittag zur Großmutter väterlicherseits bringen, damit der Papa ca. 1 Std. / 1 1/2 Std. später dazukommen kann. Der Sohn hat jederzeit die Möglichkeit sich von Mama abholen zu lassen. Die Mutter äusserte, dass sie in der Nähe auf den Anruf warten wird. Ein Mittagessen kann gemeinsam verbracht werden und eine kleine Bescherrung. Anschliessend findet dann nochmal ein Gespräch mit unserem Sohn und dem Jugendamt statt. In Zusammarbeit mit dem Verfahrensbeistand. Die Eltern haben ca. 3 Monate Elterngespräche bei einer vermittelnden Einrichtung zu führen.”

Wie wirkt diese Regelung auf Euch? Was habt Ihr daran auszusetzen? Was empfindet ihr bei dem Gedanken, einer solchen Entscheidung ausgesetzt zu sein? Welche Gefahr seht ihr hier? Schreibt es doch bitte in die Kommentare.

Ich erspare mir nun eine ausführliche Stellungnahme zu dieser Regelung. Eines soll gesagt sein, normal wäre gewesen, dass mein Sohn ab dem ersten WT ein paar Tage zwischen Weihnachten und Silvester mit mir verbringt. Das hatte jahrelange Tradition. Und wir waren beide sehr glücklich damit…

Ich bin sehr gespannt, ob die Elterngespräche kurzfristige Ergebnise liefern, die vorallem meinem Sohn weiterhelfen. Denn wie immer zählt folgender Leitspruch: Allen Kindern beide Eltern!

Und dafür werde ich nicht nur im privaten Kontext kämpfen, sondern ich werde es bei jeder Diskussion mit Mitmenschen vertreten. Auch wenn ich bei Gericht gemerkt habe, dass ein Wandel stattfindet, muss noch viel getan werden, damit die Gerichte durchgreifen und das Wohl des Kindes auch mittel bis langfristig Priorität hat. Klare Reformen sind und bleiben nötig.

Ich wünsche mir nichts lieber zu Weihnachten, als dass der Umgang positiv zustande kommt und ich unseren Sohn noch einmal in 2017 in den Armen halten darf.

Ich wünsche schonmal allen LeserInnen Frohe Weihnachten und vorallem eine schöne Zeit mit Kindern und Familie.

Und für alle Menschen, die sich einsam fühlen oder Ihre Kinder nicht sehen dürfen, mein Apell an Euch: Macht es Publik. Kämpft für Eure Kinder!!

Liebe Grüße

Kai

 

 

Kai

- stolzer Vater - Familienpfleger und ausgebildet in Sozialmanagement - Vollzeit beschäftigt und Student der sozialen Arbeit - Fussballschiedsrichter

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